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Pioniere der Pädagogik verabschiedet

Geschrieben von Melanie Salewski

Die Anne-Frank-Schule startet ohne ihre Kollegen der ersten Stunde in das neue Schuljahr: Mit Karin Zinngrebe, Günter Schake, Mike Sienknecht, Klaus Hild und Berthold Diegel sind mit Ablauf der Sommerferien gleich fünf Pioniere der Pädagogik in den Ruhestand verabschiedet worden. Sie alle waren jeweils zwischen drei und vier Jahrzehnten an der Gesamtschule tätig und haben deren Profil entscheidend mitgeprägt. „Ihr habt unsere Schule zu der gemacht, die sie heute ist“, so Schulleiterin Kerstin Ihde während der mit vielen Kollegen, Familien und Wegbegleitern begangenen Feierstunde zur Versetzung in den Ruhestand, „wir danken euch von ganzem Herzen für das Herzblut, das ihr in euren Beruf gesteckt habt. Eure Erfahrung, Kompetenz und Gelassenheit werden unserem Kollegium sehr fehlen.“

 

 

Karin Zinngrebe, die bereits mit 22 Jahren ihr Studium der Fächer Deutsch und Kunsterziehung absolviert hatte, habe innerhalb der Schulgemeinde vor allem für ihr konsequentes pädagogisches Geschick und ihren kritischen Geist stets viel Respekt und Achtung erfahren. Sie habe ihren Schülerinnen und Schüler gerade über das Fach Kunst stets Mut zur eigenen Idee, zur Provokation und zum Vertrauen in das eigene Können vermittelt. Sie engagierte sich viele Jahre im Personalrat und initiierte zahlreiche kreative Projekte. Dass die Flure der Anne-Frank-Schule so farbenfroh gestaltet sind, sei ihrem Einsatz zu verdanken. Im Jahr 1985 war sie, nach zehnjähriger Tätigkeit an der Brüder-Grimm-Schule, in die Vorbereitungsgruppe für die Gesamtschule am Fliederweg berufen worden, aus der später die Anne-Frank-Schule hervorging.

Auch Oberstudienrat Klaus Hild, der den Schuldienst nach dem Studium der Fächer Physik und Chemie 1983 zunächst in Leverkusen aufnahm, galt von Anfang an als sehr engagierter und fähiger Kollege. Seit 1989 war er fest am Fliederweg eingesetzt, stets mit Abordnung zum Oberstufengymnasium. Er brachte sich hier in verschiedenen Bereichen maßgeblich ein: Ob als Sammlungs- und Fachbereichsleiter, als Methodenexperte oder als Koordinator für die Kooperation zwischen Gesamtschule und Sekundarstufe II, Klaus Hild sei stets ein hoch angesehener und kompetenter Kollege gewesen, was auch durch seine Beförderung zum Oberstudienrat im Jahr 1997 noch einmal unterstrichen wurde.  Besonders werden ihn seine Kollegen aus dem naturwissenschaftlichen Bereich für die Koordination der Baumaßnahmen zur Erneuerung der jeweiligen Fachräume in Erinnerung behalten.

Michael Sienknecht, der 1987 als Sport- und Kunstlehrer an die damalige Gesamtschule am Fliederweg kam, habe die besondere Atmosphäre innerhalb der Schulgemeinde durch sein künstlerisches und pädagogisches Wirken von Anfang an in unverkennbarer Weise verkörpert. Ihm sei es vor allem immer darum gegangen, dass die Schülerinnen und Schüler das Leben kennenlernten, so Kerstin Ihde. „Mike“ habe sowohl die ersten erlebnispädagogischen Projekte als auch Betriebserkundungen und Besuche von außerschulischen Lernorten angestoßen. Zudem war er über 30 Jahre lang Vertrauenslehrer, leitete das Fotolabor der Schule und sorgte mit ausgefallenen Deko-Ideen immer wieder für unvergessliche Schulfeste. Die Kollegen schätzten seine ruhige und sachliche Art, die stets von seinem Credo „Wir kriegen das schon hin!“ geprägt war.

Mit Rektor Günter Schake, der 1992 mit den Fächern Sport und Deutsch an der Gesamtschule anfing, ging auch der Stufenleiter der Jahrgänge 7 bis 10 in den Ruhestand. Kerstin Ihde beschrieb ihn als besonnenen, humorvollen und sehr kompetenten Schulleitungskollegen, der seine zahlreichen Verpflichtungen stets mit Ruhe und Gelassenheit angegangen sei. Seiner Liebe zum Planen und Organisieren von Abläufen sei es zu verdanken, dass der Schulalltag stets reibungslos funktioniert habe. Er engagierte sich zudem besonders im Fachbereich Sport, in der Berufsorientierung und als Lehrer für Deutsch als Zweitsprache. Berühmt sei er, 1994 zum Schulleitungsmitglied befördert, aber auch für seine legendär-launigen Auftritte bei Schulfesten und Feiern des Kollegiums. Natürlich ließ er es sich nicht nehmen, selbst zu seiner eigenen Verabschiedung einige lustige Überlegungen anzustellen, die seine Kolleginnen und Kollegen diesmal nicht nur zum Lachen, sondern ob des bevorstehenden Abschieds nach insgesamt 32 Jahren an der Schule auch ein wenig zum Weinen brachten.

Die Verabschiedung von Rektor Berthold „Kalle“ Diegel, der insgesamt 28 Jahre an der jetzigen Anne-Frank-Schule wirkte, übernahm als dessen langjähriger Weggefährte der stellvertretende Schulleiter Lutz Schaub. Er verglich die Schule mit einem Schiff auf pädagogischer See, für dessen Kurs Berthold Diegel und seine Kollegen der ersten Stunde maßgeblich verantwortlich waren. Immer nah am Schüler, stets ein überzeugter Vertreter seiner Fächer Deutsch und Gesellschaftslehre, sei Berthold Diegel ein Lehrer, der sich komplett mit seinem Beruf identifiziere. 1990 von der Gesamtschule Sontra nach Eschwege an den Fliederweg versetzt, habe er mit seinen vielfältigen Ideen zur Förderung der Schülerschaft maßgeblich die Schulentwicklung vorangebracht. Er brachte sich dafür verantwortlich in zahlreichen Gremien ein. So trage etwa das Deutsch-Förderkonzept seine Handschrift, genau wie die großen Europa-Workshops. Als Vorsitzender des Personalrates engagierte er sich für die Belange des Kollegiums. 2008 folgte die Beförderung zum Rektor, der innerhalb der Schulleitung zunächst die Bereiche „Förderung“ und „Berufsorientierung“ organisierte, später kam die Europaschul-Koordination hinzu.