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Zwischen Wasser und Wolkenkratzern

Geschrieben von Melanie Salewski

Es flossen viele Tränen, als sie sich schließlich voneinander verabschieden mussten: Zuvor hatten die Teilnehmer des Austausches zwischen der Anne-Frank-Schule Eschwege und der Edgerton High School zehn spannende und ereignisreiche Tage im Bundestaat Wisconsin miteinander verbracht. „Wir sind in dieser kurzen, aber sehr intensiven Zeit zu echten Freunden geworden“, schwärmt etwa Neuntklässler Louis Horstmann von seinen Erfahrungen mit Austauschpartner Cameron und dessen Familie. Die große Gastfreundschaft und Herzlichkeit machten es den 15 Jugendlichen der Anne-Frank-Schule sowie ihren Lehrkräften Monika Ruppert-Marquardt, Gerhard Marquardt und Melanie Salewski besonders leicht, im Alltag amerikanischer Familien mitzuhalten: Die Kinder haben jeden Tag bis zum späten Nachmittag Unterricht, danach Arbeitsgemeinschaften oder Sporttraining und am Abend häufig noch Spiele gegen andere Schulmannschaften.

 

Erst danach werden die Hausaufgaben erledigt. „Das ist für die Jugendlichen dort ganz normal“, so Zehntklässlerin Pia Feldbusch über den langen Tag ihrer amerikanischen Gastschwester, „fast alles dreht sich um die Schule und das strukturiert auch das Leben der ganzen Familie.“

Neben dieser Erkenntnis gewannen die deutschen Gäste ob des durch die High School organisierten anspruchsvollen Programms viele weitere Einblicke in die amerikanische Lebensart, Kultur und Geschichte. Nach einer großen Willkommensparty, in deren Verlauf die Anne-Frank-Schüler die Kunst des Kürbisschnitzens für Halloween erlernten, erkundeten sie von der Kleinstadt Edgerton aus in einem riesigen gelben Schulbus die Region. In Milwaukee, der größten Stadt in der näheren Umgebung, ging es in den Miller Park, ein riesiges Baseballstadion. Hier konnten die Jugendlichen und ihre Lehrkräfte hinter die Kulissen schauen. Anschließend eroberten sie die Dicovery World, ein naturwissenschaftlich-technisches Museum direkt am riesigen Lake Michigan.

Besonders in Erinnerung bleiben wird den deutschen Jugendlichen auch ihr Ausflug in die Hauptstadt des Bundesstaates Wisconsin. Das Capitol in Madison ist besonders prunkvoll und auch der Campus der riesigen Universität beeindruckte die Gruppe. Die Jugendlichen hatten außerdem viel Spaß im Kalahari Waterpark, besuchten das erfolgreiche Unternehmen Edgerton Gear und erlebten eine Führung durch das Milton Haus. Hier erfuhren sie von der sogenannten Underground Railway, einem einst aus Gegnern der Sklaverei bestehendem Netzwerk, das Sklaven auf der Flucht aus den Südstaaten half. Auch ihre sprachlichen Kompetenzen erweiterten die Jugendlichen der Anne-Frank-Schule während ihrer Zeit in den USA massiv. Sie hielten in der High School selbst, aber auch in der Mittelstufe Präsentationen zu Deutschland und beantworteten fleißig Fragen dazu. So konnten auch einige Stereotype aufgelöst werden.

Besonders viel Spaß hatten die Neunt- und Zehntklässler aber an den Grundschulen der Stadt: Hier brachten sie den ersten bis vierten Klassen mit Spielen und Liedern sowie Bildern von Eschwege die deutsche Sprache und ihre Heimstadt näher. Bevor es dann dorthin zurück ging, erlebten die Anne-Frank-Schüler noch einmal eine andere Facette der USA kennen: das Großstadtleben in Chicago. In der Windy City verbrachten sie drei weitere Tage und zeigten sich angesichts der atemberaubenden Millionenstadt zwischen Wasser und Wolkenkratzern ziemlich beeindruckt.

Trotz Willis Tower, Art Institute und Lake Michigan fehlten ihnen die amerikanischen Austauschpartner aber doch schon sehr. So sind alle froh, dass der Gegenbesuch der Gruppe aus Edgerton an der Anne-Frank-Schule bereits im kommenden Frühjahr stattfinden wird.