Jahrgang 8

Berufsorientierungskurs für Schüler, die keine zweite Fremdsprache belegt haben

Für alle Schüler, die keine zweite Fremdsprache belegt haben, bietet die Anne-Frank-Schule im Jg. 8 einen zweistündigen Berufsorientierungskurs (BO) an. Dieser stellt eine Ergänzung zu den weiteren WPU-Kursen dar, die ab dem Jg. 7 angeboten werden. Während die Lernenden im sonstigen Wahlpflichtunterricht aus verschiedenen Angeboten wählen können, ist der BO-Kurs verpflichtend. Dies begründet sich darin, dass die wenigsten Jugendlichen dieser Jahrgangsstufe eine berufliche Vorstellung besitzen und ihnen die Berufswahl zu diesem Zeitpunkt noch sehr häufig als irrelevant erscheint. Ein Großteil dieser Lernenden wird jedoch zeitnah nach der bevorstehenden Beendigung ihrer Schullaufbahn an der Anne-Frank-Schule eine Ausbildung beginnen oder eine weitere Schullaufbahn an der Beruflichen Schule antreten. Eine begründete Berufswahl in dieser Bildungsphase zu entwickeln, gibt den Schülern schon hier eine Orientierungshilfe für ihren weiteren Lebensweg und gibt ihnen die Chance sich auf die Anforderungen der Arbeitswelt einzustellen.

Ziele des BO-Kurses

Die Schüler haben am Ende des 8. Schuljahres eine Perspektive entwickelt, was ihre weitere schulische bzw. berufliche Zukunft anbelangt. Die Schüler können vier Wochen vor Beginn des ersten Praktikums eine begründete Entscheidung für die Wahl ihres Praktikumsbetriebes und ihres Praktikumsberufes formulieren.

Die Schüler kennen Ausbildungsberufe und –betriebe in der Region Eschwege.

Die Schüler kennen die Berufsfelder und können Ausbildungsberufe einordnen.

Die Schüler kennen das Profil (Anforderungen, Arbeitsbedingungen, typische Tätigkeiten, Ausbildung, Bezahlung) von mehreren Berufen.

Die Schüler haben sich ihre Interessen, Stärken und Schwächen bewusst gemacht und mit den Anforderungen ihres „Wunschberufes“ abgeglichen.

Die Schüler kennen die Struktur von kleineren und mittleren Betrieben.

Die Schüler können sich mit Hilfe unterschiedlicher Medien (Beruf Aktuell, Materialpool der AFS zur Berufsorientierung in der Bücherei, Internetauftritte der Agentur für Arbeit und andere) über Berufe und Ausbildung informieren. 

Inhalte

  • Berufe in meiner Umgebung
  • Interviews
  • Die Wirtschaftssektoren
  • Zuordnung von BerufenBerufe und Berufsfelder
  • Erstellung von Berufsprofilen
  • Erkundung eines Betriebes I (Handel, Ernährung, Pflege, Holz, KFZ-Betrieb,...)
  • Eigene Interessen und Anforderungen von „Wunschberufen“ abgleichen („planet beruf“: Berufsinteressentest)
  • Individuelle Stärken
  • Schwächen-Analyse mit Hilfe des Berufswahlpasses
  • Aufbau eines größeren Betriebes
  • Betriebserkundung II (Stiebel Eltron, Präwema, Baumer Thalheim, VW-Werk Baunatal) 

Eine ausführliche Darstellung der Ziele, Inhalte und Methoden ist in der Evaluation „ Darstellung und Weiterentwicklung des Berufsorientierungsunterrichts an der Anne-Frank-Schule“ von Frau Scheliga (BO-Materialpool in der Schul- und Stadtteilbücherei) zu finden. 

Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung des 1. Betriebspraktikums

Ziele

Das 1. Betriebspraktikum wird am Ende des 8. Schuljahres als zweiwöchiges Blockpraktikum durchgeführt.

Dieses Praktikum ist als Orientierungspraktikum konzipiert und dient nicht in erster Linie der Eignungsfeststellung für einen Beruf. Trotzdem soll jeder Schüler eine an den eigenen Stärken und Schwächen sowie den eigenen Interessen orientierte Entscheidung für den Praktikumsplatz treffen.

Im Zentrum des 1. Betriebspraktikums stehen die folgenden Ziele:

Die Schüler gewinnen einen Einblick in die Berufs- und Arbeitswelt und bauen ein Verständnis für die sozialen, technischen, organisatorischen und wirtschaftlichen Strukturen der Arbeitswelt auf.

Die Schüler erfahren einerseits die Belastungen und Anforderungen am Arbeitsplatz, erkennen jedoch auch die Chancen zur Selbstverwirklichung, die ein befriedigendes Arbeitsleben bietet.

Die Schüler entwickeln Selbständigkeit bei der Informationsbeschaffung, Beobachtung, Befragung und Erkenntnisgewinnung in einem noch nicht vertrauten Lebensbereich. 

Vorbereitung

Zu Beginn des 8. Schuljahres werden Schüler und Eltern über die berufsorientierenden Maßnahmen der Anne-Frank-Schule informiert. 

Im Vorfeld des Praktikums (Februar) erfolgt eine weitere Information der Eltern auf einem Klassenelternabend.

Die Schüler bekommen in der Vorbereitungsphase einen Überblick über die Berufsfelder (BIZ-Mobil, Information des Vertreters der Agentur für Arbeit, Planet Beruf – Internetrecherche) und mögliche Praktikumsplätze vor Ort. Sie wählen in Absprache mit ihren Eltern und dem das Praktikum betreuenden Lehrer ihren Platz selbst aus. Ausnahme sind große Betriebe, die eine größere Anzahl an Praktikanten aufnehmen. In diesen Fällen wird die Vergabe der Praktikumsplätze zentral durch die Schule geregelt (Bundespolizei, Stiebel Eltron). In der Regel nehmen die Schüler mit Unterstützung ihrer Eltern selbständig Kontakt mit den Praktikumsbetrieben auf und treffen Absprachen über das Praktikum. Bei Problemen bei der Beschaffung eines Praktikumsplatzes greift der das Praktikum betreuende Lehrer mit Hilfe des Pools „Praktikumsplätze“ unterstützend ein.

Im Vorfeld des Praktikums findet eine Koordinationskonferenz der betroffenen Lehrer (Klassenlehrer, Gl-/Al-Lehrer, Deutschlehrer) statt, in der die Inhalte der Vor- und Nachbereitung des Praktikums geklärt werden. Die Lehrer können dabei auf einen Ordner mit Materialien zurückgreifen.

Folgende Inhalte sind verbindlich festgelegt:

  • Bewerbung um einen Ausbildungsplatz – tabellarischer Lebenslauf (Deutsch)
  • Praktikumsbericht (Deutsch)
  • Vorgangsbeschreibung (Deutsch)
  • Telefonische Kontaktaufnahme mit einem Betrieb (Klassenrat)
  • Vorstellung im Betrieb (Klassenrat)
  • Schlüsselqualifikationen (GL/AL)
  • Wirtschaftssektoren und Berufe
  • Berufsfelder und Berufe mit ihren Anforderungen
  • Stärken-/Schwächenanalyse
  • Tätigkeitsfelder im Kleinbetrieb – Aufbau/Struktur eines Betriebes/Zusammenwirken der Abteilungen

Die Dokumentation des Praktikums erfolgt durch eine Mappe, die Inhalte der Mappe und die Bewertungsmaßstäbe werden in der Koordinationskonferenz festgelegt und mit den Schülern besprochen.

Durchführung des Praktikums

Die Schüler ...

absolvieren das zweiwöchige Blockpraktikum unter den Bestimmungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes. (Betriebspraktika sind einem Ausbildungsverhältnis ähnlich. Es finden die Bestimmungen zum Schutz der arbeitenden Jugend (Jugendarbeitsschutzgesetz - JArbSchG vom 12. April 1976 (BGBl. I S. 965), zuletzt geändert durch Artikel 3 Absatz 2 des Gesetzes vom 31. Oktober 2008 (BGBl. I S. 2149) in der jeweils geltenden Fassung) und des jeweiligen Unfallversicherungsträgers) entsprechende Anwendung.

- Kind im Sinne des JArbSchG ist, wer noch nicht 15 Jahre alt ist (§ 2 Abs. 1) - Jugendliche oder Jugendlicher im Sinne des JArbSchG ist, wer 15, aber noch nicht 18 Jahre alt ist (§ 2 Abs.

2). Jugendliche, die der Vollzeitschulpflicht unterliegen, gelten als Kinder im Sinne des JArbSchG (§ 2 Abs. 3). Schülerinnen und Schüler bis zur Vollendung des 15. Lebensjahres dürfen bis zu sieben Stunden täglich und 35 Stunden wöchentlich nur mit leichten und für sie geeigneten Tätigkeiten beschäftigt werden (§ 5 Abs. 2 Satz 2 i.V. m. § 7 Satz 1 Nr. 2 JArbSchG). Die Vorschriften der §§ 9 - 46 JArbSchG sind ebenfalls entsprechend anzuwenden; dabei kommen die Vorschriften über die Berufsschule (§ 9 JArbSchG), über Prüfungen und außerbetriebliche Ausbildungsmaßnahmen (§ 10 JArbSchG), über Urlaub (§ 19 JArbSchG) und Ausnahmen in besonderen Fällen (§ 21 JArbSchG) nicht in Betracht. Sie legen bei Krankheit ein Attest beim Praktikumsbetrieb vor, informieren den Betrieb, den betreuenden Lehrer und die Schule bei Krankheit oder Verhinderung vor Dienstbeginn, geben die Informationen über die Praktikumsdokumentation an den Betrieb bzw. die Einrichtung weiter., arbeiten neben den Aufgaben im Betrieb regelmäßig an der Praktikumsdokumentation (z.B. Erstellung von Tages-/Wochenberichten).

Jeder Schüler sollte zweimal vom betreuenden Lehrer im Betrieb aufgesucht und beraten werden.

Die folgenden Inhalte sollten in diesen Gesprächen thematisiert werden:

  • Organisatorische Rahmenbedingungen (Arbeitszeit, Einsatzorte, ... )
  • Belastung für den Praktikanten – Stressfaktoren im Betrieb
  • Ausgeübte und beobachtete Tätigkeiten
  • Welche Fähigkeiten braucht man bei der Ausübung des Berufes?
  • Hilfsmittel: Material, Werkzeug, MaschinenWelche Produkte werden hergestellt? 
  • Welche Dienstleistungen angeboten?
  • Wie ist der Betrieb/die Abteilung aufgebaut?
  • Ausbildungsvoraussetzungen (Schulabschluss, besonders wichtige Schulfächer, körperliche Voraussetzungen)

Bewertung und Einschätzung des Praktikums

In einem Abschlussgespräch mit dem im Betrieb für das Praktikum Verantwortlichen wird der Verlauf des Praktikums bilanziert.

Der Betrieb benennt in schriftlicher Form im Vorfeld des Praktikums einen persönlichen Ansprechpartner. Er stellt sicher, dass die Schüler den gesamten Betrieb und die wesentlichen Arbeitsbereiche und –aufgaben kennen lernen. Er stellt dem Schüler eine Praktikumsbescheinigung (siehe Formular in der Mappe „Betriebspraktikum“) aus. Diese Praktikumsbescheinigung umfasst Aussagen zu folgenden Punkten:

Persönliche KompetenzenSoziale KompetenzenAussagen über die Tätigkeitsbereiche, die der Schüler erlebt hat und seine dort gezeigten fachlichen Kompetenzen.

Auswertung des Praktikums

Die Schüler dokumentieren und präsentieren das Praktikum in Form einer Praktikumsmappe. Die Dokumentation umfasst folgende Punkte:

Aussagen zum Praktikumsbetrieb

Aussagen zum erlebten Beruf

Selbstreflexion des Praktikums

Die Schüler erhalten im Unterricht Gelegenheit, ihre im Praktikum gesammelten Erfahrungen zu besprechen. Sie werden im Unterricht bei der Erstellung der Praktikumsmappe unterstützt und ihre Reflexion der Praktikumserfahrungen vom zuständigen Lehrer begleitet.

Angebote im Wahlpflichtbereich in den Werkstätten

Als Fortführung bzw. Vertiefung des Wahlpflichtunterrichts in der Jahrgangsstufe 7 erhalten die Schüler der Jahrgangsstufe 8 die Möglichkeit zwischen den Werkstattkursen Fahrradwerkstatt, Ernährung/Hauswirtschaft und Holztechnik zu wählen. Diese vertiefenden Schwerpunkte sind auf ein Schuljahr ausgelegt.

Infoveranstaltung „Wirtschaft trifft Schule“ mit den Partnerfirmen

Neben der Ermittlung der Interessen und der Stärken der Schüler ist es für den individuellen Berufsorientierungsprozess von großer Wichtigkeit, dass die Schüler über die Anforderungen der Wirtschaft an Auszubildende frühzeitig informiert werden. Im Vordergrund steht die Information über die Schlüsselqualifikationen, aber auch über die geforderten fachlichen Kriterien für Ausbildungsberufe müssen Schüler informiert sein.

Am nachdrücklichsten können diese Informationen von Fachleuten, die für die betriebliche Ausbildung vor Ort verantwortlich sind, und von Auszubildenden selbst vermittelt werden. 

Deshalb findet für die Schüler und die Erziehungsberechtigten des Jahrgangs 8 zu Beginn des Schuljahres (kurz nach den Herbstferien) eine Infoveranstaltung statt, die von den Partnerfirmen der AFS (Stiebel Eltron, Kaufland) gestaltet wird und in der die Anforderungen der Partnerfirmen an kommende Ausbildende deutlich gemacht werden. Diese Informationen werden ergänzt durch Erfahrungsberichte aktueller Auszubildender.

Für die Schüler der Berufsorientierungskurse und deren Erziehungsberechtigte ist die Teilnahme an dieser Veranstaltung verpflichtend, für Schüler mit zweiter Fremdsprache und deren Eltern ist die Teilnahme freiwillig.

Im Unterricht der BO-Kurse werden die gegebenen Informationen nachbereitet.

Nutzung von BIZ-Mobil

In Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit können sich die Schüler in der Regel im Januar / Anfang Februar eines jeden Schuljahres im BIZ-Mobil als Vorbereitung für das im zweiten Schulhalbjahr stattfindende erste zweiwöchige Betriebspraktikum einen Überblick über Berufsfelder, Berufsbilder und Ausbildungsberufe verschaffen.

Während dieser doppelstündigen Veranstaltung an unserer Schule erhält jede Klasse darüber hinaus weitere Informationen durch den Berufsberater, Herrn Kage, über Internetadressen der Agentur für Arbeit, um dann auch selbständig im Internet recherchieren zu können.

Beratungsangebot der Agentur für Arbeit in der Schule

Der Berufsberater der Agentur für Arbeit, Herr Kage, hält in unserer Schule einen wöchentlichen Sprechtag ab, und zwar freitags in der Zeit von 08.00 – 11.30 Uhr.

Die Schüler melden sich dazu vorab in einer im Sekretariat ausliegender Liste an. Genutzt werden kann der Sprechtag in der Regel von Schülern der Jahrgangsstufe 8 bis 10.

Betreuung ausgewählter Schüler durch die Berufseinstiegsbegleitung (Programm BerEb-Bk) in den Jahrgangsstufen 8 und 9

Seit Dezember 2010 werden an der Schule im Rahmen des Programmes „Berufseinstiegsbegleitung-Bildungsketten“ zei Berufseinstiegsbegleiter eingesetzt.

Zielgruppe: Junge Menschen, die voraussichtlich Schwierigkeiten haben werden, den Abschluss der allgemeinbildenden Schule zu erreichen oder den Übergang in eine Berufsausbildung zu bewältigen. Die Teilnahme ist für die Schüler freiwillig. 

Ziel: Das Bildungsangebot der Agentur für Arbeit unterstützt Schüler beim Übergang von der allgemeinbildenden Schule in eine Berufsausbildung. 

Förderdauer: Die Maßnahme beginnt i.d.R. während der Vorabgangsklasse. Die Begleitung endet ein halbes Jahr nach Beginn einer beruflichen Ausbildung, jedoch spätestens 24 Monate nach Beendigung der allgemeinbildenden Schule. 

Phasen: Der Berufseinstiegsbegleiter unterstützt bei der Berufsorientierung, bei der Herstellung der Ausbildungsreife und der aktiven Bewerbungsphase. Der Übergang in eine Berufsausbildung wird durch Gespräche mit Teilnehmern und Ausbildungsbetrieben unterstützt, um das Ausbildungsverhältnis zu stabilisieren.

Im Vorfeld der eigentlichen Betreuung erfolgt in Zusammenarbeit Schule/BerEb eine Auswahl von 20 förderungsfähigen Schülern. Zu diesem Personenkreis gehören Schüler, die voraussichtlich Probleme beim Erreichen des Schulabschlusses und/oder beim Übergang in berufliche Ausbildung haben.

Nach schriftlicher Einverständniserklärung der Eltern/Erziehungsberechtigten und der Zustimmung der BA werden alle Teilnehmer vom BerEb über Ziele und Pflichten der betreuten Berufseinstiegsbegleitung informiert. Zielvereinbarungen werden getroffen und von den Teilnehmern unterschrieben.

Um diese Maßnahme erfolgreich gestalten zu können, müssen die Schule, der Berufseinstiegsbegleiter und die Agentur für Arbeit eng zusammenarbeiten und ständig die erforderlichen Informationen austauschen. An der Anne-Frank-Schule ist es nach den ersten Erfahrungen allen Beteiligten schnell gelungen, das nötige Vertrauensverhältnis und eine gemeinsame Grundlage für eine kooperative Zusammenarbeit herzustellen.

Die individuelle und intensive persönliche Begleitung der teilnehmenden Schüler ist eine wertvolle Ergänzung all der Möglichkeiten, die es an der Anne-Frank-Schule im Bereich der Berufsorientierung und der sozialpädagogischen Betreuung bereits gibt.

Den Berufseinstiegsbegleitern wird ein Büroraum zur Verfügung gestellt, den er bei Bedarf (z.B. Eltern-/TN- Gespräche etc.) jederzeit auch außerhalb der normalen Unterrichtszeiten nutzen kann. Er ist ebenfalls in der Lage, die vorhandenen schulischen Einrichtungen wie PC-Raum, Konferenzraum etc. für Bewerbungstrainings oder Infoveranstaltungen in größerer Gruppenzahl zu belegen.