Home

Jeder Name zählt

Geschrieben von Melanie Salewski

Gegen das Vergessen: Schülerinnen und Schüler der Klasse 9e der Anne-Frank-Schule in Eschwege haben an der Erweiterung des weltweit größten Online-Archivs über die Opfer und Überlebenden des Nationalsozialismus mitgearbeitet. Das Projekt der Arolsen Archives trägt den Namen #everynamecounts, übersetzt „Jeder Name zählt“, und hat zum Ziel, ein digitales Denkmal für die Verfolgten zu errichten. Rund 30 Millionen Dokumente sowie Hinweise auf die Schicksale von 17.5 Millionen Menschen sollen erfasst werden. Dabei können auch Freiwillige helfen und etwa Namen und Geburtsdaten übertragen.

Genau das haben die Lernenden von Klassen- und GL-Lehrer Tobias Schmidt gemacht. Auf der Webseite der Initiative bekamen sie historische Dokumente zu verschiedenen Personen angezeigt und übertrugen die Daten in ein digitales Formular. „Es ist für uns sehr wichtig, dass die Opfer des NS-Regimes nicht vergessen werden“, so etwa die Schülerin Anna, „als Lernende der Anne-Frank-Schule, die noch dazu Europaschule und Schule ohne Rassismus ist, wollen wir mit unserem Einsatz dazu beitragen, dass das Schicksal dieser Menschen in Erinnerung bleibt und gleichzeitig auch ein Zeichen für Respekt, Toleranz und Offenheit setzen.“

Umso wichtiger erschien dies den Jugendlichen, die sich gerade im Unterricht mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Nationalsozialismus auseinandersetzen, nach der im Schulprogramm für alle Abschlussklassen verankerten Exkursion in das Konzentrationslager Buchenwald. „Es hat uns sehr betroffen und sprachlos gemacht, vor Ort zu sehen, wie unsagbar menschenverachtend und brutal die Nationalsozialisten vorgegangen sind“, so etwa Schüler Jan, „wir haben während der Reflexion der Exkursion auch festgestellt, dass die Identität vieler Opfer bis heute unklar ist. Das hat uns sehr beschäftigt. Ob Häftlinge, Zwangsarbeiter*innen, Homosexuelle oder zu anderen Opfergruppen zählende Menschen- es war unser Wunsch, dazu beizutragen, dass sie nicht vergessen werden.“

Lehrer Tobias Schmidt stellte nach entsprechender Recherche den Kontakt zu den Arolsen Archives her und ermöglichte seinen Schülerinnen und Schülern so, am größten digitalen Denkmal für die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung mitzubauen und aktiv an einer lebendigen Erinnerungskultur mitzuwirken.

„Die Lernenden haben anhand der Bearbeitung der Dokumente und den daraus hervorgehenden Informationen zu einzelnen Schicksalen noch deutlicher verstanden, welche Dimensionen die Verfolgung durch das Terrorregime tatsächlich hatte und wie perfide die Nationalsozialisten dabei vorgegangen sind“, so Tobias Schmidt, „dieser Blick zurück hat uns allen noch einmal deutlich gezeigt, wohin Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus auch heute führen können. Und das wollen wir auf jeden Fall verhindern.“